Wahlaufruf Personalratswahl 2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

leider kann aufgrund der Pandemiesituation die diesjährige Personalversammlung nicht stattfinden. Somit habe ich natürlich auch keine Möglichkeit, mich mit einer Rede an Sie zu wenden. Um dies aber wenigstens zum Teil kompensieren zu können, wende ich mich auf diesem Wege an alle Lehrkräfte der beruflichen Schulen in Berlin.

Wie haben sich die letzten vier Jahre (seit der Personalratswahl 2016) für die Berliner Schulen und die dort beschäftigten Lehrkräfte entwickelt? Dazu ein paar Gedanken aus der Sicht unseres Verbandes:

Noch immer gelingt es dem Berliner Senat nicht, genügend Lehrkräfte für den hiesigen Schuldienst zu gewinnen. Dies ist aber auch kein Wunder, da Berlin mittlerweile das einzige Bundesland ist, das seine Lehrkräfte nicht verbeamtet. Aus der Sicht des Senates gehen also 15 deutsche Länder einen Irrweg – nur Berlin macht in dieser Hinsicht alles richtig! Das nenne ich ideologische Verblendung. Skandalös ist dabei besonders, dass dieser Weg Unterstützung durch die stärkste Lehrergewerkschaft (die GEW) erhält! Dies widerspricht nun eindeutig den Interessen der Lehrkräfte. Offensichtlich glaubt die GEW, sie wüsste besser, was für die Beschäftigten gut ist und was nicht. Wir glauben eher an mündige Lehrkräfte, die selber entscheiden sollten, ob sie verbeamtet werden wollen oder nicht. Wir bleiben daher bei unserer Forderung:

Verbeamtung jetzt für alle Lehrkräfte, die dies wünschen!

Der Berliner Senat versagt aber auch in anderen Punkten. So hat er einseitig und ohne Absprache mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) eine sog. „Hauptstadtzulage“ in Höhe von 150 € pro Lehrkraft beschlossen. Jetzt wundert sich dieser Senat, dass die TdL dem Land Berlin dort das Stimmrecht entzogen hat. Wie dilettantisch kann man denn sein? Es wäre doch wohl möglich gewesen, vorher die Haltung der übrigen Mitglieder der TdL zu erfahren. Nun droht langfristig der Ausschluss aus der TdL – ein Desaster für die angestellten Lehrkräfte in Berlin, da dann der Senat wieder alleine die Verhandlungen mit den Gewerkschaften führen müsste. Wir können uns unschwer ausrechnen, was dies bedeuten würde: Die Berliner Lehrkräfte würden sicherlich wieder von der Einkommensentwicklung der übrigen deutschen Länder abgekoppelt werden. Darin haben wir ja nun bereits genug Erfahrung! Wir fordern den Senat daher auf, unverzüglich eine Lösung für dieses vom ihm verursachte Problem zu finden!

Uns alle bewegt aktuell natürlich die Corona-Pandemie. Dabei haben wir nicht den Eindruck, dass die Gesundheit von Schülern und Lehrkräften an erster Stelle der politisch Verantwortlichen steht. Angesichts der zunehmenden Infektionen ist es unserer Meinung nach erforderlich, dass der Präsenzunterricht mit dem Distanzunterricht, d.h. einem schulisch angeleiteten Lernen zu Hause, kombiniert wird. Mit anderen Worten: Klassen sollten geteilt werden und die eine Hälfte sollte möglichst digital beschult werden und die andere Hälfte in der Schule selbst. Durch entsprechenden Tausch der Gruppen jede Woche wäre es dann möglich, dass jeder Schüler zumindest die Hälfte seines Unterrichts in Präsenzform erhält. Dies sollte das Risiko einer Infektion deutlich verringern. Notwendig ist dazu allerdings, dass der Senat die notwendige digitale Infrastruktur beschafft – insbesondere für jede Lehrkraft

einen Laptop, damit wir nicht weiterhin gezwungen sind, unsere privaten Laptops für dienstliche Zwecke zu verwenden.

Überhaupt – die Digitalisierung! Bis jetzt gibt es keine rechtliche Verankerung der digitalen Bildung im Berliner Schulgesetz! Das muss dringend geändert werden. Notwendig ist in diesem Zusammenhang aber auch eine deutliche Reduzierung der Arbeitszeit der Berliner Lehrkräfte auf ein gesundheitlich vertretbares Niveau. Die Belastungsgrenze der Lehrkräfte ist längst überschritten! Es kommen immer neue Aufgaben dazu, ohne dass es zur Reduzierung der Arbeit an anderer Stelle kommt.


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Sie sehen, es läuft nach wie vor vieles schief im Berliner Schulwesen. Notwendig sind daher starke Interessenvertretungen! Ende November stehen die Personalratswahlen 2020 an. Es ist in Ihrem Interesse, dass unser Verband dabei weiter gestärkt wird.

Wir bitten Sie daher, vom Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen! Sie haben die Möglichkeit, Ihre Stimmen auch per Briefwahl abzugeben. Nutzen Sie bitte diese Chance! Wählen Sie und wählen Sie bitte die

Liste 2 BLBS/VLW!
web Antrag auf Briefwahl


Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund!
Ihr Stefan Hirsch, Landesvorsitzender des VLW Berlin

pdf Wahlaufruf Personalratswahl 2020
pdf Flyer Personalratswahl 2020
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